Glaube heißt Zweifeln
10a trifft fächerübergreifend Bill Maher
Was hat ein amerikanischer Comedian, Satiriker und obendrein Atheist wie Bill Maher im Religionsunterricht zu suchen? Die 10a weiß es nun: Erst, wer die Anfechtungen des Glaubens kennt und Antworten auf die unbequemsten und damit treffendsten Fragen in Bezug auf den Glauben hat,kann wirklich von wahrem, rationalem Glauben reden. Auch wenn dies meist eine Selbstbeschränkung bedeutet, da in manchen Fragen der Zweifel der Endpunkt einer aufrichtigen Reise bleibt.
Um jedoch zu einer derartigen Aussage zu kommen, bedurfte es einiger Arbeit, die Patricia Wedler im Fach Englisch und Johannes Heger im Fach Religion mit den Schülern der 10a anpackten. Zunächst ging es darum, genügend Spezialwortschatz aufzubauen, um Bill Mahers 2008 erschienene Dokumentation über dir (Ir-)Rationalität des Glauens namens "religulous" ansehen und verstehen zu können.
Bill Maher und "religulous"
Maher, aus einer jüdisch-katholischen Familie kommend, hat sich selbst vom Glauben abgewandt und führt auf satirische, aber auch hochintelligente Weise einen Kreuzzug gegen blinden, irrationalen Glauben. Dabei geht es ihm nicht darum, Menschen von der Religion abzubringen, sondern vielmehr durch bewusstes Nachhaken die problematischen Elemente ihrer Glaubensstrukturen aufzuweisen. Die blinde Geldgier von Scientology ist ihm dabei ebenso ein Dorn im Auge, wie der Rassismus der Mormonen oder die antidemkratischen Elemente im konservativ ausgelegten Islam.
Kritik am Christenum
Aber auch das Christentum bleibt nicht verschont: Die manchmal götzenhafte Anbetung von Heiligen, die den Monotheismus stark in Bedrängnis bringt, sowie aus der Tradition selbstverständlich gewordene Ansichten werden genauso kritisch hinterfragt wie die Existenz der Kirche selbst. Mit gezielten Ausschnitten und der Besprechung und Fundierung dieser erfuhr die 10a Näheres über ihren Glauben, vielleicht auch anders, als sie es bisher gewohnt war.
Diskussion zum Abschluss
Den Ausklang der intensiven und für beiden Seiten spannenden Sequenz bildete eine Abschlussdiskussion mit Wedler und Heger, in der die Schüler bewusst aus verschiedenen Perspektiven zum Thema "religion – a blessing or a curse?" diskutieren durften.
Und obwohl viele Schüler wohl die extrem zugespitzen Aussagen von Maher – wohl zu Recht – nicht ganz teilen konnten, blieb doch ein irritierender, herausfordernder, aber gerade dadurch ehrlicher Endgedanke bei allen zurück: Wenn der Mensch sich die so genannten "großen Fragen" stellt, kann er rational begründet niemals von einem Wissen über eine Antwort reden. Einzig der Glaube bleibt ihm angesichts dessen. Aber dieser ist es, der den Menschen trägt.


