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Nach dem Motto „Der frühe Vogel vermisst die Nordseeinsel.“ trafen sich alle Projektfahrer um 5 Uhr in Bad Kissingen, um den Bus zu beladen. Anschließend folgte eine lange Busfahrt Richtung Bremerhaven. Dort angekommen wartete bereits das erste Highlight: der Besuch des Klimahauses. Hier konnte man zum Beispiel an einer Extremwettershow teilnehmen, in der der Meteorologe Dr. Michael Theusner mithilfe von Experimenten Wetter zum Anfassen zeigte. Auch die Weltreise entlang des achten Längengrades Ost durch alle Klimazonen war sehr eindrucksvoll gestaltet. So spazierte man in kürzester Zeit durch Sardinien, Kamerun und die Antarktis und erfuhr bemerkenswerte Dinge über Land und Leute.

Nach einer interessanten Hafenrundfahrt und der Übernachtung in der Jugendherberge Bremerhaven ging das Hochseeabenteuer endlich los! Um 9.30 Uhr hatten wir sowohl unser Gepäck als auch die Vermessungsutensilien sicher auf die Fähre gebracht. Die Überfahrt gestaltete sich relativ turbulent. Daher trotzten die meisten Wind und Kälte und verharrten die überwiegende Zeit tapfer an Deck.

Letztendlich kamen alle gesund und wieder munter an der Jugendherberge auf Helgoland an. Deren Lage direkt am Strand konnte so manchen Mittelmeerurlauber neidisch werden lassen. Durch den anschließenden Inselrundgang lernte man die Insel mit der Langen Anna, den Basstölpeln und vielen anderen Vogelbrutpaaren kennen.

Die folgenden drei Tage standen ganz unter der Devise „Wir vermessen Helgoland!“.  An zwei Tagen vermaß man die Hauptinsel. Dabei galt es, verschiedene Aufgaben zu einem Bombenkrater, der Klippe und dem Deich in Kleingruppen zu lösen. Hier waren Teamarbeit und kreative Lösungswege gefragt, denn die jeweils fünf Lehrkräfte und drei Referendare gaben nur kleinere Hilfestellungen. Schließlich wurde die Arbeit mit Winkelspiegel, Försterdreieck, Fluchtstangen und Co. bereits im Schulhof geübt. Nur beim Blick durch den Theodoliten waren etwas mehr Hinweise nötig. Besonders die Höhe der Klippe wurde dieses Jahr durch einige Gruppen äußerst genau bestimmt, da alle 256 Treppenstufen, die vom Strand aus hinauf führten, vermessen wurden. Die Datensammlung fand am Vormittag, die Berechnungen und Ausarbeitungen am Nachmittag statt. Dabei waren vor allem die Mathematiklehrkräfte eine große Hilfe für die Schüler, wenn es z. B. um die Profilzeichnung des Deiches mit vielen verschiedenen Steigungen oder den Umriss des Bombenkraters ging.

An einem Tag wurde die Helgolanddüne erkundet. Auch hier hatte man das Vermessungsgepäck dabei, denn der klassisch rot-weiße Leuchtturm sollte maßstabsgetreu zu Papier gebracht werden. Dieses Projekt wurde ganz alleine durch die Schüler organisiert, die alle Messergebnisse sammelten und anschließend zusammenführten.

Doch natürlich wurde auf der Projektfahrt nicht nur vermessen. So konnte man sich auf die Suche nach Muscheln, Fossilien und roten Feuersteinen begeben oder einfach die Kegelrobben und Seehunde beobachten, die es sich am Strand der Düne gemütlich machten. Auf der Düne gab es außerdem die Möglichkeit, einen Sprung in die 17°C „warme“ Nordsee zu wagen. Bei der sehr interessanten Bunkerführung lernten alle etwas zur Geschichte Helgolands im Zweiten Weltkrieg. Auch für die Sportler wurde etwas geboten: Der morgendliche „Helgolandmarathon“ mit vorheriger musikalisch umrahmter Aufwärmung stand fest auf dem Programm. Die Chemiker der zweiten Helgolandgruppe versetzen sich in die Lage eines Gestrandeten und experimentierten zur Süßwassergewinnung aus Meerwasser. Die Projektfahrt Helgoland ist also keineswegs nur ein außerschulischer Lernort für Mathematik, sondern auch Fächer wie Geographie, Geschichte, Biologie, Chemie und Sport werden integriert.

Die Freizeit nutzten alle sehr unterschiedlich. Viele pilgerten zum beliebten Insel-Edeka, andere bewunderten nochmals die Flora und Fauna der Insel. Am Abend traf man sich am Strand, um zu singen, zu spielen oder einfach die wunderschönen Sonnenuntergänge zu beobachten. Sogar das Fußball-WM-Finale konnte im Gemeinschaftsraum geschaut werden, sodass ein kleines Public Viewing mit anderen Gästen der Unterkunft entstand.

Am späten Nachmittag des letzten Tages legte die Fähre dann Richtung Cuxhaven wieder ab. An Bord waren die Teilnehmer der Projektfahrt, die um viele Eindrücke, Erfahrungen und Erlebnisse reicher geworden sind.

Am Projekttag Helgoland, der in der letzten Schulwoche stattfand, drehten die Schüler in Kleingruppen kurze Erklärvideos zu einem selbstgewählten Thema über die Insel. Die Recherchearbeiten wurden bereits vor Ort erledigt. So konnten je nach Interessensgebieten ganz verschiedene Informationen gesammelt werden. Wusstet ihr, dass Helgoland 12 Postleitzahlen hat? Nein? Wir bis dahin auch nicht. Die tollen Schülervideos und das abschließende gemeinsame Grillen bildeten einen wunderbaren Abschluss des Vermessungsprojektes.

Die Vorbereitungen für die Fahrt im kommenden Jahr sind längst angelaufen. Im Juli 2019 wird man zum achten Mal nach Helgoland aufbrechen und wieder werden sich die Touristen verwundert die Frage stellen: „Was machen die denn da?“.