Der Zweite Weltkrieg und die menschenverachtende Ideologie der Nationalsozialisten spielen im Lehrplan der neunten Jahrgangsstufe eine zentrale Rolle. Mitte März erhielten die Neuntklässlerinnen und Neuntklässler des Jack-Steinberger-Gymnasiums im Rahmen einer Exkursion in die Gedenkstätte Trutzhain einen direkten Einblick in die Geschichte dieser Zeit. Die Gedenkstätte befindet sich am historischen Ort des ehemaligen Kriegsgefangenenlagers STALAG IX A Ziegenhain.
Vor Ort setzten sich die Schülerinnen und Schüler zunächst mit der Geschichte des Lagers während des Zweiten Weltkriegs auseinander. In Trutzhain waren zwischen 1939 und 1945 Kriegsgefangene verschiedener Nationen inhaftiert, die als Zwangsarbeiter in Landwirtschaft und Industrie eingesetzt wurden. Die Grundstruktur des Lagers ist bis heute erkennbar, viele der Lagerbaracken, in denen die Inhaftierten unter oft unmenschlichen Bedingungen leben mussten, sind erhalten, teilweise wurden sie zu Wohnhäusern umgebaut.
Während des Besuchs der Dauerausstellung und eines Rundgangs durch die heutige Ortschaft erhielten die Jugendlichen Einblicke in den Alltag und die Lebensbedingungen der Gefangenen sowie in einzelne Biografien. Zeitzeugenaussagen verdeutlichten, dass die Gefangenen je nach Herkunft unterschiedlich behandelt wurden. Besonders schlecht waren die Bedingungen für sowjetische Kriegsgefangene. Diese waren in einem abgetrennten Lagerbereich untergebracht und wurden nach ihrem Tod auf dem weit abgelegenen Waldfriedhof anonym, mitunter in Massengräbern, verscharrt, während der heutige Gemeindefriedhof als Bestattungsort für die verstorbenen westalliierten und polnischen Kriegsgefangenen diente. An dieser unterschiedlichen Behandlung der Kriegsgefangenen zeigte sich die NS-Rassenideologie in all ihrer Brutalität.
Thema war auch die Entwicklung des Ortes nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs. Nach der Befreiung des Lagers durch die US-Armee am 30. März 1945 diente das Gelände zunächst der Internierung von Mitgliedern der Waffen-SS, der NSDAP sowie von SA-, SS- und Wehrmachtssoldaten. In den Jahren 1946 und 1947 wurde es als Lager für Displaced Persons (DP-Camp) zur Unterbringung von osteuropäischen Juden genutzt, die auf ihre Ausreise nach Palästina, Großbritannien, Kanada, Australien, Südamerika oder in die USA warteten. Ab 1948 zogen Heimatvertriebene aus den ehemaligen deutschen Ostgebieten und dem Sudetenland in das geräumte Lager ein. Daraus entstand schließlich die 1951 gegründete Gemeinde Trutzhain.
Die Exkursion verdeutlichte den Schülerinnen und Schülern, wie sehr historische Ereignisse die gegenwärtige Umgebung prägen, und unterstrich die Notwendig-keit, die Erinnerung an die Vergangenheit lebendig zu halten.



