Am 25. März 2026 erlebte die Klasse 11a eine Geschichtsstunde der besonderen Art: Im Rahmen der Unterrichtseinheit „Geschichte erinnern“ begrüßten die Schülerinnen und Schüler den Zeitzeugen Rainer Zenner und führten mit ihm ein Gespräch über das Leben in der ehemaligen DDR. Nachdem sich die Klasse bereits zuvor im Unterricht mit biografischen DDR-Erfahrungen mittels filmischer Zeitzeugenberichte auseinandergesetzt hatte, bot Zenners Besuch den Jugendlichen die Gelegenheit, ein individuelles Schicksal „aus erster Hand“ kennenzulernen.

Zunächst skizzierte Herr Zenner seinen Lebensweg, der untrennbar mit der Geschichte der DDR verbunden ist. Geboren 1950 im vogtländischen Falkenstein, also ein Jahr nach der doppelten Staatsgründung, wuchs er in einer Unternehmerfamilie auf. Als „Kapitalistenkind“ und bekennender Christ war er im „Arbeiter- und Bauernstaat“ ein doppelter Außenseiter. Besonders bewegt zeigten sich die Schülerinnen und Schüler von den persönlichen Repressalien, denen Herr Zenner ausgesetzt war: Trotz akademischer Leistungen wurde ihm die Promotion verweigert, seine bereits verfasste Promotionsarbeit veröffentlichte später ein – linientreuer – Kommilitone unter eigenem Namen. Überdies traf die Enteignungswelle der 1970er-Jahre sowohl den Betrieb seiner Eltern als auch den seiner Schwiegereltern. Die Schilderungen über das Promotionsverbot und die Zerstörung familiärer Existenzen verdeutlichten die rücksichtslose Willkür des DDR-Regimes und zeigten auf, wie tief ein autoritäres bzw. je nach Interpretation totalitäres System in das private Leben eingreifen kann.
1988 entschied er mit seiner Familie, einen Ausreiseantrag in den Westen zu stellen. Um die Chancen auf Erfolg zu verbessern und weiteren Repressalien vorzubeugen, kündigte er als amtierender Direktor in dem VEB, in dem er seit 1974 tätig war, und arbeitete fortan als Regaleinräumer in einem Supermarkt. Im Oktober 1989 wurden er, seine Frau und sein Sohn aus der Staatsbürgerschaft der DDR „entlassen“ – nur wenige Tage vor dem Fall der Mauer.
Der zweite Teil des Zeitzeugengesprächs war einer Fragerunde mit großem Tiefgang gewidmet. Dabei schlug die Klasse 11a den Bogen von der Vergangenheit zu aktuellen politischen Debatten. Auf die Frage nach den Gründen der heutigen Affinität zur AfD in Thüringen und Sachsen sowie der DDR-Verherrlichung vieler ehemaliger DDR-Bürgerinnen und -Bürger fand Herr Zenner klare Worte. Auch kritische Themen wie ein mögliches AfD-Verbot und die Frage, inwiefern sich Geschichte wiederholen könne, wurden diskutiert.
Das Gespräch endete mit einem Appell Zenners an die junge Generation: „Wir müssen um unsere eigene Demokratie und Freiheit kämpfen!“ Für die Schülerinnen und Schüler der 11a wurde durch diese Begegnung deutlich, dass Freiheit kein statischer Zustand ist, sondern ein Privileg, das aktive Teilhabe erfordert.