„Die können gut singen, und das ist ein besonderer Moment, solange diese musikalischen Kinder noch an der Schule sind“, sagte Herr Hümpfner, der Musiklehrer.
„Das ist aber auch eine besonders motivierte Klasse“, sagte Frau Weilbach, die Theaterlehrerin.
„Da machen wir mit“, sagten die vielen tollen Musikerinnen und Musiker des Musicalorchesters.
„Da habe ich schon eine Idee“, sagte Herr Jauernig, der Kunstlehrer.
„Wollt ihr gleich etwas Großes wagen?“, fragten die Lehrkräfte und die Klasse 5d war sofort begeistert dabei.
Also machten sich alle zusammen auf ins Abenteuer Kindermusical.
Die Theaterklasse lernte die Grundlagen des Theaterspiels kennen und musste sich lange gedulden bis die Rollen verteilt wurden. Wie immer eine eigentlich unlösbare Aufgabe, denn es gibt nie 26 Hauptrollen und alle müssen von den eigenen Wünschen absehen, um ein Gemeinschaftsprojekt zu schaffen. Zum Schluss waren die begehrtesten Rollen auf bis zu vier Schultern verteilt. Hinzu kam die Frage, wer Soloparts übernehmen will und kann.
Grüne Tücher, ein rätselhaftes Netz und farbenfrohe Projektionen ließen auf der Bühne in der Aula des JSG einen Dschungel entstehen, in dem alle Beteiligten ihr Abenteuer erlebten. Zum einen das aus dem Musical „Insel der Falken“ von O. Zahn, S. Stürmer und J. Junker, in dem eine Gruppe Kinder aus ihrer Heimat fliehen müssen und von da an selbstbestimmt auf einer Insel leben. Eine geheimnisvolle Kraft lässt sie seit 500 Jahren nicht altern. Mutig und einfallsreich verteidigen sie ihre Insel gegen eine Gruppe von Wissenschaftlern einer Kosmetikfirma in Geldnöten namens „Jeunesse“ und ihre skrupellose Geschäftsführerin. Sie geraten aber in eine fatale Falle, aus der ihnen ihr Zusammenhalt und die Freundschaft verantwortungsvoller Erwachsener heraushilft. Auch diese Erwachsenen und ihre brutalen Unterstützer spielten die Theaterkinder selbst, voller Elan und überzeugend in ihrem Auftreten.
Ein wesentlicher Teil des Abenteuers bestand aber darin, die äußerst anspruchsvolle Musik zu präsentieren, was in einer Schulaufführung mit allen Kindern einer 5. Klasse nie perfekt und fehlerfrei gelingen kann. Dieser gewaltigen Herausforderung stellte sich einerseits das 17-köpfige Musicalorchester mit seiner einfühlsamen und flexiblen Interpretation der Songs voller Klezmer- Jazz und Samba- Anklänge. Vor allem aber auch die Theaterklasse, die mit Begeisterung und den passenden Moves die schwierigen Lieder vortrug. Für wahre Gänsehautmomente sorgten zudem die verschiedenen Solistinnen und Solisten.
Ein weiteres Abenteuer bestand darin, auf der großen Schulbühne in der Aula zu proben, wo immer jemand unterwegs und nie wirklich Ruhe ist. Eine Anforderung an Lautstärke und Konzentration, die eigentlich die Möglichkeiten einer fünften Klasse übersteigt. Ebenso die Geduld bei den langen, dringend erforderlichen Proben zusammen mit dem Orchester, die am Wochenende stattfinden mussten. Vor allem in der Phase zwischen Fasching und der Aufführung vor den Osterferien wurde so intensiv gearbeitet, gesungen, geweint, gelacht, gejubelt und gegenseitig ermuntert, dass die Gruppe noch stärker zusammenwuchs.
Unterstützt wurde die Klasse durch reichliche Essensspenden, viele Fahrdienste, Kostüme und das Verständnis der Eltern.
Das ganze Projekt war Spannung pur bis zum letzten Tag. Zum Glück war die Aufmerksamkeit der zur Probe eingeladenen Grundschulkinder und der Kids on Stage aus der Realschule eine wichtige Ermutigung. Schließlich waren es die Eltern und Angehörigen, die ihre Kinder bei der Aufführung mit viel Zwischenapplaus zu Höchstleistungen anstachelten. Nie hatten sie so konzentriert gespielt, die Abläufe so selbständig im Blick und nie sangen und tanzten sie so hinreißend wie vor dem großen Publikum in der Schulaula.
Zum ersten Mal kamen nun auch die kreativen Hintergrundbilder zur Geltung sowie die Beleuchtung der Jungs vom Technikteam. Dieses leistete vor allem in der Tontechnik einen äußerst wichtigen Beitrag.
Das Musicalorchester spielte so professionell, dass es sich auf die Kinder einstellen konnte und hatte offenbar großen Spaß an der wunderschönen, aber sehr anspruchsvollen Musik.
Schließlich rieben sich nach den stehenden Ovationen alle die Augen: Was war das? So etwas hatten wir hier ja noch nie- und wie, die Kinder waren alle aus der fünften Klasse? „Wo soll das denn in den kommenden Jahren noch hinführen?“, sagte Herr Arneth, der Schulleiter.













